Anfangen anzufangen

Ich erwische mich dabei, wie ich immer wieder damit anfange anzufangen. Kennst du das? Hin und wieder befinde ich mich an einer Stelle, an der ich mir denke und davon überzeugt bin: „Einfach machen“„Einfach loslegen“. Voller Zuversicht und Freude am Tun. Und dann entferne ich mich von diesem Punkt wieder, entfremde mich davon, während sich hinter mir Hürden und Hindernisse aufbauen, die eine Rückkehr erschweren.

So geht es mir inzwischen eine ganze Weile mit meiner Kreativität. Manchmal bin ich soweit, dass mir alles andere egal ist, dass ich alles andere ausblenden kann und einfach beginne. Und es wird gut. Und dann wieder stecke ich voller Selbstzweifel an mir und meinen Fähigkeiten.

Was schade ist, denn diese Barriere im Kopf ist so groß, dass ich gar nicht erst anfange. Denn: „Wozu?“ – sagt mein Kopf, voller Sorge, dass das Endergebnis nicht meinen Vorstellungen entspricht. Dass ich mein Ziel nicht erreiche. Dass ich scheitern könnte. Ein Schutzmechanismus.

Ich versuche, dem Ganzen auf den Grund zu gehen und diese Knoten zu lösen. Leichter gesagt, als getan.

Mir wird klar, dass man immer und immer wieder anfängt. Hat man das ganze Haus einmal auf Vordermann gebracht, kann man meist von vorne wieder anfangen mit dem Putzen, Aufräumen, Wäsche machen… Jeden Montag startet man in eine neue Woche und fängt wieder damit an, sich auf die Arbeit einzulassen. Jedes Jahr fängt man im Garten wieder mit der Aussaat von Gemüse und Kräutern. Es ist ein ewiger Kreislauf.

„Fange nie an, aufzuhören – höre nie auf, anzufangen.“

Cicero 1

Wie wahr.

Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, immer wieder anzufangen? Immer wieder aufzustehen, sich immer wieder zu motivieren, immer wieder allen Mut zusammen zu nehmen und daran zu glauben, dass es am Ende schon gut wird. Ja, es kostet Kraft und Energie und manchmal möchte man doch gerne einfach liegen bleiben und die Augen verschließen. Dann ist es gut, wenn man jemanden hat, der einem aufhilft. Und einem zeigt: es ist nicht das Ziel, sondern der Weg, auf den wir uns fokussieren sollten. Und jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

Übrigens: manchmal muss man gar nicht wissen, wohin der Weg führt. Solange wir ihn genießen. Wer weiß, welche Glücksmomente unverhofft auf uns warten?

  1. Zitatquelle: https://www.zitate7.de/autor/Marcus+Tullius+Cicero/ [Stand: 13.05.2026, 10:37 Uhr] ↩︎

2 Antworten auf „Anfangen anzufangen“

  1. Ich hab mich sehr gefreut von dir zu lesen. Das mit dem Anfangen ist tatsächlich so eine Sache. Manchmal fangen wir nämlich auch einfach zu viel an. Manchmal müssten wir dann wieder mit etwas aufhören, um mit etwas Neuem zu starten.
    In einer Supervision haben wir letztens zum Einstieg nur diese drei Worte erhalten:

    Loslassen
    Loswerden
    Losgehen

    Daran musste ich denken,alsich deinen Beitrag gelesen habe.

    Darüber werde ich jetzt wohl nochmal etwas nachdenken…

  2. Hmm – tja, da gibt’s im Leben halt die Dinge, die man immer wieder anfangen MUSS und zu Ende bringen MUSS. Hausarbeit zum Beispiel. Oder das, was der Beruf mit sich bringt. Oder die Beschäftigung mit dem Garten. All so diverse tägliche Dinge, ohne deren Erledigung wir uns nicht wohl fühlen würden.
    So sind wir aufgewachsen, so geben wir das unseren Kindern weiter.

    Aber dann gibt’s da noch tausend Dinge, bei denen wir meinen, das anfangen und zu Ende bringen zu müssen. Wir setzen uns selber unter Druck. Sind vielleicht auch noch frustriert, wenn wir es nicht schaffen, anzufangen – geschweige denn etwas „mit Erfolg“ abzuschließen.

    Das ist etwas, an dem man arbeiten kann. Vielleicht musst du erst noch viele Erfahrungen sammeln und in das Oma-Alter kommen, bis du einsiehst, dass unser Gehirn uns immer wieder mit neuen Aufgaben „zumüllt“, statt einfach mal die Klappe zu halten und uns die kostbare Lebenszeit genießen lässt.

    Aber im Grunde weißt du das ja bereits, denn der wichtigste Satz in deinem Beitrag ist meiner Meinung nach
    „Übrigens: manchmal muss man gar nicht wissen, wohin der Weg führt. Solange wir ihn genießen.“

    Wobei ich dich mit meinen Worten hoffentlich nicht davon abhalte, immer mal wieder mit deinem Blog „anzufangen“
    Deine Leser:innen freuen sich nämlich darüber 😉
    (Ach jeh, ist das schon wieder ein Druck, der da automatisch aufgebaut wird?)

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