Wertschätzung

Es gibt viele Dinge – Themen, Gedanken – die mich momentan beschäftigen. Manches lässt mich nicht los, anderes dreht sich im Kreis. Vieles, das mich innerlich zum Lächeln bringt und mich glücklich macht. Und einiges, das mich traurig macht und mich unsicher und machtlos zurücklässt.

„Wer hat die Welt auf den Kopf gestellt“

– aus: „Wie kann es sein“ von den Wise Guys –

Das frage ich mich in letzter Zeit oft, wenn ich in den Nachrichten lese oder höre, was gerade alles los ist oder passiert ist. Ich muss gestehen, dass ich aus diesem Grund nicht immer up to date bin – die Bilder und Szenarien im Kopf lassen mich dann nicht los und ich fühle mich eben verunsichert und machtlos. Und ich weiß aus Gesprächen, dass ich damit nicht alleine bin. Was kann ich tun?

Beim Putzen – ihr dürft ruhig drüber lachen – kam mit heute in den Sinn, dass ich nicht untätig bin. Nicht nur, was die Sauberkeit im Haushalt angeht. Schon seit Jahrhunderten, wahrscheinlich seit Jahrtausenden, bekämpft man die Dunkelheit auf eine Weise: mit Licht. Und das habe ich in letzter Zeit, teilweise wortwörtlich, getan. Ich habe bunte Gläser mit einer Lichterkette an Menschen in meinem Umfeld geschickt, die ein warmes Licht gerade dringend nötig hatten. Ich hatte viel Freude daran, Menschen in Momenten, in denen sie nicht damit gerechnet hätten, mit etwas Schönem zu überraschen. Und ich habe selbst viel Licht erhalten in Momenten, in denen ich es gebraucht habe und in Momenten, in denen ich nicht damit gerechnet habe. Ein offenes Ohr von guten Freunden oder Kolleginnen. Eine herzliche Umarmung. Ein feuchter Kuss von meiner Tochter. Geschenkte gemeinsame Zeit. Ein Überraschungsbesuch einer Freundin. Vertrauen. Gemeinsame Tränen der Trauer und Freude. Wertschätzung.

Wertschätzung ist etwas, das mich die letzten Monate begleitet hat, aber erst durch den Impuls einer Kollegin einen Begriff bekommen hat. Ein seltsames Wort, wenn man sich intensiver Gedanken dazu macht. Vor allem, wenn es um die Wertschätzung von einer Person geht. Wie soll ich deren Wert schätzen? Ist nicht jeder Mensch unschätzbar wertvoll? Vielleicht ist gerade die Feststellung dessen der Inbegriff von Wertschätzung. Und steckt nicht auch das Wort „Schatz“ darin? Sicherlich könnte man eine ganze Abhandlung darüber schreiben, woher der Begriff stammt und wie er sich im Sprachgebrauch entwickelt hat. (Und es juckt mich zugegebenermaßen ein wenig in den Fingern, das genauer zu recherchieren.)

Ich hatte die letzten Monate statt „Wertschätzung“ das kleine Wörtchen „Danke“ im Kopf. Man sagt es viel zu selten und oft genug spricht man es automatisiert aus, ohne weiter darüber nachzudenken. „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ sagt man sprichwörtlich in Bayern und zu oft wird genauso gelebt. „Der weiß schon, dass ich das gut finde, was er macht“ – sind wir uns sicher, dass dem Gegenüber immer bewusst ist, wie sehr wir ihn schätzen? Wie dankbar wir ihm sind? Und was kostet es uns, von Herzen danke zu sagen?

Aktuell kehre ich immer wieder dorthin zurück: zur Dankbarkeit. Zur Wertschätzung. Ich bin für so vieles dankbar und für so viele. Und ich habe das Gefühl, dass ich das gar nicht oft genug zum Ausdruck bringen kann.

Wenn ich zum Beispiel meine Tochter von der Krippe abhole und den Erzieherinnen sage, wie froh ich bin, dass meine Tochter sich dort so wohl fühlt und wie schön ich es finde, wie herzlich und liebevoll sie mit den Kindern dort umgehen.

Wenn ich in der überfüllten Arztpraxis rückmelde, dass ich sehe, wie viel sie gerade zu tun haben und wie sehr ich es schätze, dass man trotzdem mit einem Lächeln begrüßt wird und sich Zeit genommen wird, obwohl sie gleichermaßen viel Unmut und Ungeduld ausgesetzt sind.

Wenn ich der Kindertageseinrichtung, die ich beruflich bedingt besuche, beschreibe, wie wohl ich mich dort bei meinen Besuchen fühle, weil sie den Alltag der Kinder mit viel Geduld, Verständnis und Freude gestalten.

Das alles kostet mich nichts und dafür erhalte ich Dankbarkeit, Rührung und ein Lächeln zurück. Das ist wiederum Licht für meinen Alltag.

Ach, ich könnte noch ganz viel aufzählen, wofür ich dankbar bin und was ich wertschätze. Das stimmt mich positiv und bringt mich zum Lächeln. Doch für den Moment beschränke ich mich auf:

Danke für’s Lesen!

Und wenn du noch einen Impuls, einen Gedanken oder eine Aufgabe für die Fastenzeit suchst: wie wäre es denn mit ausgedrückter Wertschätzung? Einfach mal dort „Danke“ sagen, wo man es selten tut. Oder wertschätzen, was leicht als selbstverständlich hingenommen wird.

3 Replies to “Wertschätzung”

  1. Heute habe ich deinen Beitrag förmlich aufgesaugt.

    Und ich habe darüber nachgedacht, wo ich Wertschätzung und Dank zeige.

    Dazu fällt mir der Schmetterlingseffekt, ein Konzept aus der Chaostheorie, ein. Im positiven Sinne…

    Ein kleines Ereignis oder eine winzige gute Tat kann eine Kette von positiven Veränderungen auslösen.

    Ich wünsche mir, dass dies mit unserer Hilfe gelingen möge!

    Danke für diese Anregung! Und Danke, dass du mich teilhaben lässt an diesen Gedanken!

  2. Vielen lieben Dank für diesen Beitrag . Ich bedanke mich auch für das Licht, dass du mir geschickt hast!.Es wärmt mich wenn ich es nötig habe.
    Und was man auch viel zu selten sagt:. Schön das es dich gibt und du zu meiner Familie gehörst.

    Liebe Grüße

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